In Brüggen ist gut laden

ePKW beim Ladevorgang, Bildausschnitt

Vor ziemlich genau fünf Jahren stellten die Mitglieder unserer heutigen Ratsfraktion den Antrag an den Gemeinderat, dass sich die Gemeinde rechtzeitig um den Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge kümmern solle. Ein geeigneter Anlass, um zu überprüfen, wie die Burggemeinde heute im Vergleich dasteht. Das Ergebnis ist überraschend!

In Brüggen gibt es 32 sogenannter Ladepunkte. Zumeist finden sich zwei Ladepunkte an einer Ladesäule. Damit nimmt die Burggemeinde im Vergleich zu den acht anderen Städten und Gemeinden im Kreis Viersen die Spitzenposition ein. Mit 32 Ladepunkten liegt Brüggen gleichauf mit Kempen und Tönisvorst, die 30 bzw. 31 Ladepunkte vorweisen können, allerdings wesentlich mehr Einwohnende und somit auch wesentlich mehr Elektrofahrzeuge haben. Umgerechnet auf 100 angemeldete ePKW gibt es in Brüggen 11,4 Ladepunkte. Rechnerisch 8,8 eFahrzeuge müssen sich einen öffentlichen Ladepunkt teilen. In Tönisvorst sind es 17,1 und in Kempen sogar 19,7 Fahrzeuge pro Ladepunkt. Auch im Landesvergleich ähnlich größer Kommunen liegt Brüggen (16.082 Einw.) immerhin auf Platz 2, knapp hinter Kirchlengern (16.366 Einw.) im ostwestfälischen Kreis Herford. Dort gibt es 11,9 Ladepunkte auf 100 Elektrofahrzeuge.

Etwas schwächer aber immer noch gut durchschnittlich sieht es bei der Ladekapazität aus. In Brüggen stehen relativ viele Ladesäulen mit 22 kW, was heuzutage einer Haus-Wallbox entspricht. Darüber hinaus gibt es lediglich vier Schnelladesäulen mit je 150 kW, alle an der ARAL-Tankstelle Klosterstraße. Im Durchschnitt führt das dazu, dass man in Brüggen zwei Stunden und sechs Minuten benötigt, um einen Mittelklasse-ePKW mit 80 kW/h-Akku vollständig aufzuladen. Das sieht in Holzwickede (17.298 Einw.) östlich von Dortmund und Odenthal (15.324 Einw.) im Bergischen Land anders aus. Dort wartet man rechnerisch nur knappe 40 Minuten für eine Vollaufladung. Es gibt allerdings auch tragische Fälle wie Finnentrop im Sauerland (16.851 Einw.), wo man für eine Aufladung viereinhalb Stunden warten muss.

Spannend wird es, wenn man die Brüggener Situation als Ausgangsposition für die Zukunft betrachtet. Aufgrund von vielen Neuzulassungen von Elektro-PKW verdoppelt sich der Bestand in zwei Jahren. 2025 werden in Brüggen statt heute 281 etwa 589 Elektrofahrzeuge angemeldet sein. Geht man davon aus, dass die heutige Ladeinfrastruktur den Bedarf in zufriedenstellendem Maße deckt, muss auch die Anzahl der Ladepunkte bzw. deren Ladekapazität entsprechend anwachsen. Anbieter wie die großen, überregional tätigen Versorger errichten zu diesem Zweck tankstellengroße Ladestationen mit acht, zwölf oder sechszehn Ladepunkten, die jeweils 300 oder 400 kW Leistung bringen. Im Gegensatz zu einfachen Ladesäulen müssen für Ladestationen Baugenehmigungen vorliegen. Dazu sind seitens der Gemeinde Vorarbeiten zu leisten.

Die Fraktion Wir für Brüggen hat ihre detaillierte, sieben Seiten umfassende Auswertung nun an Bürgermeister und Verwaltungsspitze übergeben. Es ist zu erwarten, dass das Thema in der Verwaltungskonferenz aufgegriffen wird. Einen Antrag an den Gemeinderat hat die Wir mit der Auswertung nicht verbunden, die Fraktion geht davon aus, dass die Verwaltung eine Vorstellung vom Umgang mit der vorgelegten Analyse entwickelt.

Hier der Link zur Analyse der Ladeinfrastruktur in Brüggen (PDF).

Ein Kommentar

  • Viele Ladepunkte sind in der Holter Heide, wo m.E. diese kaum ausgelastet sind. Um eine Akzeptanz für Elektromobilität zu schaffen, brauchen wir Ladepunkte bei den Wohnhäusern, in jedem Ortsteil und in jeder Hohnschaft.
    Mit der augenblicklichen Ladeinfrastruktur ist die Elektromobilität zum Scheitern verurteilt.

    VG, Jürgen Moors

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