Dialekte sollen für die Nachwelt erhalten bleiben

Die sprechenden Bürger

Als jüngst für einen örtlichen Sankt Martins-Verein ein Mundart-Text eingesprochen werden sollte, offenbarte sich das Dilemma: Trotz intensiver Suche konnte niemand gefunden werden, der noch den Dialekt der betreffenden Honnschaft im unverfälschten Zustand beherrscht. Diesen tragischen Zusammenhang bestätigt auch der Bonner Sprachwissenschaftler Goerg Cornelissen, der als Kenner der Niederrheinischen Mundart gilt. Cornelissen hat sowohl das Kapitel zur Sprache in der Brachter Ortsgeschichte bearbeitet, als auch das zur Sprache in Brüggen und Born, welches in der neuen Ortsgeschichte in diesem Herbst erscheint. Selbst wenn es noch Dialektsprecher gibt, können die sich aus Mangel an Gesprächspartnern immer seltener austauschen.

Die Fraktion ‚Wir für Brüggen‘ hat daher mit heutigem Tag einen Antrag an den Gemeinderat eingereicht, demnach ein Audio-Archiv der Dialekte in der Burggemeinde angelegt werden soll. Darin soll die aussterbende Mundart in Brüggen, Bracht, Born und den Honnschaften in ihren Worten, ihrer Grammatik aber auch ihren feinen Unterschieden dokumentiert werden. Zudem zielt der Antrag darauf ab, die Aufnahmen öffentlich zugänglich so machen, so dass mit dem Material sprachwissenschaftlich gearbeitet werden kann.

Eine besondere Schwierigkeit besteht bei dem Vorhaben darin, dass es keine bereits vorliegenden Texte gibt, die zum Ziel haben, eine aussterbende Sprache in ihrer Gesamtheit zu dokumentieren. Es wird nicht ausreichen, so heißt es im Antrag der Wir-Fraktion, Zufallstexte aufzunehmen. Sprachwissenschaftler Cornelissen riet der Wir dazu, eigene Texte auf Basis des deutschen Grundwortschatzes aufzubauen.

Der Antrag, der wahrscheinlich in die Gemeinderatssitzung am 9. November eingebracht wird, könnte in der darauf folgenden Sitzung des Kulturausschusses beraten werden. Zu diesem Zeitpunkt kann der Finanzausschuss bereits ein entsprechendes Budget für den Haushalt 2022 festgesetzt haben. Nach Klärung des für die Sprachdokumentation notwendigen Umfangs der Arbeit und des Arbeitsaufwandes schätzen die Antragssteller die Kosten auf 10.000 EUR.

Nach langem Suchen ist es dem eingangs erwähnten Sankt Martins-Verein dann doch noch gelungen, eine Mundart-Sprecherin zu finden. Es wird allerhöchste Zeit!

Original-Antrag ‚Archiv der Dialekte‘ als PDF-Dokument

Ein Kommentar

  • Reiner Manstetten

    Isch bön ünne zaujereisde! Isch spreak Limburgs, ich ken jet va plaasdiets e welsch va ut belsch, ich call ouch Oecher plat ze leave jot, want doa bön ich jebore. Ütt Venloos, Remunsj e Meestrechts is ouch wal je probleem. Mit inge dialec van doa Nederrein han ich jing meute om jet ze verstoa. Spreake, nuu dat os vör inge oes e angere streak waal schwoar, mais das jekerein verstees, dat is va belang.
    Me dür hat reët, ze mulle onger re je plat mië omdet ze allemoal dinke dasse jeck e domm bis wanierse e jen plat jees mulle. As ich mie köpsche jebruch, dan ving ich, dat inge dialec ünne tsweide sproach is en inge der al va jeboarte a plat e huagduutsch calt, de ken al vöal besser va tswei kante kieke. En da ving ich e jecker jeval waal vöal schlümmer, dan mais huagduutsch, doa bisse e zuë eedimensional…..

    Allez da, de jrös va inge der üt leavst met ange laat e viert…..loat ut üch joot joan. Ich han doa hoap, dat tse mich hei auch waal verstoa

    Ich hoffe mal, dass es ein bisschen deutlich war. Ich meine wer Platt spricht und Hochdeutsch, der spricht von Geburt an zwei Sprachen, verinnerlicht die Kultur seines Landstrichs und kann vieles einfach von zwei Seiten sehen. Einsprachig finde ich Eindimensional! Deshalb pflegt Eure Mundart wie einen Schatz, das ist Kultur, Identität und Gefühl und lässt einen Weltoffener werden und so entwickelt sich die Sprache weiter.

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